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Ich traf Miguel de Icaza und Federico Mena am 21. January 1998.
LF: Wie sind Sie mit Linux angefangen?
Miguel: Das ist nicht sehr wichtig. Ich
habe Linux aus dem Netz heruntergeladen, wie alle anderen auch, und genau
wie die auch habe ich es installiert und fertig.
LF: Wie lange ist das her?
Miguel: Ich weiß nicht mehr. Es war 93, vielleicht...94.
Der erste Kern, den ich kompiliert habe, war 0.985. Wie alt ist der? Das
müssen schon 3 oder 4 Jahre sein. Also war es 93.
LF: Was ist Ihre offizielle Beschäftigung?
Miguel: Ich arbeite am Institute of Nuclear Sciences (am UNAM).
Ich bin Systemverwalter, Netzwerkverwalter und in meinen vielen Freistunden,
das heißt den ganzen Tag, schreibe ich Software, lese in den News
oder schreibe welche, oder ich lese E-Mails. Mensch, ich sage dir, ich
bin sicher, dass ich E-Mail-lesend sterben werde.
LF: Was war das erste Programm, das Sie
für Linux geschrieben haben?
Miguel: Einige Patches für Wine. Die haben wie eine Library
funktioniert, aber ich hatte keinen PC, also musste ich Wine auf der Sun
Station kompilieren. Damit hat das Projekt angefangen, Wine eine Library
zu machen, aber ich habe es nicht beendet. Es war ein ganzes Jahr später,
nein, fast zwei Jahre bis jemand das Projekt übernommen hat.
LF: Haben Sie an der School of Sciences
der UNAM studiert?
Miguel: Ja. Physik und Mathematik.
LF: Haben Sie eines davon beendet?
Miguel: Nein. Ähm.... sagen wir, die sind im Moment ausgesetzt.
LF: Wie alt sind Sie?
Miguel: 27, nein 25. Ich bin 72 geboren. Hören Sie, ich
erinnere mich jetzt. Ich hab Midnight Commander mit 20 Jahren geschrieben.
Das war 94 oder 93? Ich glaube. Ich erinnere mich Midnight Commander für
Linux geschrieben zu haben. Ich habe es auf der Sun entwickelt, weil die
schneller war als der blöde PC, aber es war für Linux. Mist!
Wann war das? Ich weiß nicht mehr, es muss im MC (Anm. d. Ü.:
e: Midnight Commander; verwandt mit bekanntem DOS-Programm) stehen.
LF: Arbeiten Sie noch daran?
Miguel: Ja.
LF: Es wird im Gnome verwendet werden,
nicht wahr?
Miguel: Naja, ich unterhalte es, weil irgend jemand es unterhalten
muss. Anders gesagt: ich bin immer noch der Leiter der Entwicklung, aber
ich arbeite im Moment nicht viel daran. Die meisten Änderungen sind
Patches, die Leute zur Verfügung gestellt haben. Keine Ahnung, jeden
zweiten oder dritten Tag gibt es eine neue Version. Also, nicht jeden zweiten
Tag, ungefähr einmal in der Woche. Aber davon abgesehen... Ich habe
hauptsächlich wegen Gnome daran weitergearbeit, MC wird der Datei-Manager
für Gnome sein.
LF: Wann haben Sie mit Linux/Sparc angefangen?
Miguel: Ich kann mich nicht erinnern. Was sagen Sie dazu,
ich kann mich nicht erinnern! Ich glaube es war mitte 95 (Überprüfen
Sie das Datum).
LF: Was haben Sie getan?
Miguel: Tja, ich verständigte mich mit David Miller. Er
ist der Initiator der Portierung. Dann haben wir beide die Portierung richtig
gestartet und dann stieß Eddie2, nein, Peter zu uns..., dann Eddie2
nach Paul irgendwas. Am Anfang war das erste, was ich gemacht habe, ein
Ethernet Treiber. Danach fing ich verschiedene Dinge an, ich weiß
nicht... ein Treiber für X-Window... Ich habe all dies in ungefähr
zwei Wochen geschrieben, alle die zu der Zeit existierten. Ähm, das
meiste war Arbeit an der X-Portierung... Die meiste Zeit habe ich für
die C-Library gebraucht. Bis zum heutigen Tag werde ich noch von der C-Library
gejagt. Wir haben libc4 zuerst portiert.
LF: Arbeiten Sie noch am Sparc?
Miguel: Gestern habe ich einen Bug bereinigt. Zuerst haben wir
die libc4 an den Sparc angepaßt, als die funktionierte, libc5, dann
libc6. Und sie sind drei verschiedene Libraries. Sie sind fast drei Portierungen.
Es gibt nichts frustrierenderes als diese Monster zu portieren. Schlimmer
noch, sie dreimal zu portieren.
LF: Wie fing die Linux/Sparc-Portierung
an?
Miguel: Ah, während ich an Sparc arbeitete, merkten die
Leute von SGI Mexico an, dass die Chance da wäre, damit zu beginnen.
Dann bin ich in die Verhandlungen gekommen, aber ich nahm mir Zeit und
Zeit und Zeit. Und dann kam David Miller und schrieb Linux Silicon, er
kam zurück und es dauerte nochmal ein Jahr bis sie mir eine Silicon
gaben.
Eigentlich mag ich freie Software genauso wie alle gesunden Menschen.
Aber der Kopf des Projektes Linux Sparc ist David
Miller. Eddie2 pflegte lange Zeit die Portierung. Richard Henderson hat
auch viel an der C-Library gearbeitet. Jacob J... ist heutzutage der einzige
Entwickler.
LF: Was haben Sie am Kern gemacht?
Miguel: Ich habe am Sparc-Teil gearbeitet, und auch an der RAID-Implementierung
mit Ingo Mohar und Gadi Oxman, dabei ist Gadi der Guru, das heißt,
ich meine er ist der, der die gesamte Anerkennung erhalten sollte. Ingo
hat die schnellste Checksummen-Prüfung der Welt geschrieben, er hatte
die Idee wie RAID richtig eingebaut werden sollte. Und Gadi hat das Aufregendste
geschafft, nämlich die Wettbewerbsfähigkeit mit kommerziellen
RAID-Systemen. Dann schließt sich mein Name an, aber die meiste Arbeit
am Code haben diese beiden Monster getan.
LF: Was machen Sie am Gimp?
Miguel: Nichts.
LF: Aber Ihr Name taucht auf der Seite
von The Gimp auf.
Miguel: Das muss mit Gnome zusammenhängen. Ein paar Mini-Patches.
Was genau passierte, war, dass eines Tages plötzlich KDE erschien.
Das war ein Projekt, um Linux freundlicher zu machen. Am Anfang war es
nicht so gut, aber es fing an, mächtiger zu werden und hübscher,
... schön und stabil, nicht wahr? Dann sah es so aus, als ob KDE eine
super Sache wäre, also schrieb ich an alle meine Freunde bei den Distributionen
und empfahl ihnen, KDE miteinzubeziehen. Da zeigten sie mir das Problem
von KDE, für das ich mich vorher nicht interessiert hatte. KDE baut
auf einer Library auf, die unfrei ist, eine Library die nur für nicht-kommerzielle
Nutzung frei ist. Aber sie ist nicht frei. Und das ist sie wegen einem
wichtigen Grund: Freie Software erlaubt jedem, den Quellcode zu sehen,
ihn zu verändern, zu erlernen und zu benutzen. Aber das wichtigste
ist, dass man ihn verändern und verbessern kann und seine Bugs reparieren
kann. QT hat eine Lizenz, die ausdrücklich Modifikationen und Änderungen
verbietet. Es kommt von einer Firma, die das Produkt verkauft. Unglücklicherweise
ist KDE zwar sehr schön, aber wann gibt man nach, denkt man zum Beispiel
an ein freies OS: Linux. Sagen wir, man will KDE installieren und da hat
es ja eine Komponente, der nicht frei ist. Wann hört man auf, Komponenten
zu installieren die nicht frei sind? Das System ist nicht frei, es hat
ein kommerzielles Teil. Dann würden wir einen Schritt rückwärts
gehen. Wir sind sehr weit gekommen, seit Stallman 85 das Ideal eingeführt
hat und plötzlich kommen wir an einem Punkt an, an dem wir einem Schritt
zurück machen! Werden wir jetzt zurückgehen? Seltsame Lizenzen
akzeptieren?
LF: Was ist der Grund für Gnome?
Miguel: Es gab viele Diskussionen. Tatsächlich schließt
Gnome viele Dinge ein. Zuerst lernte ich, wie Active X arbeitet, das ist
keine schlechte Idee. Und dann habe ich mit Federico versucht, einen Haufen
Komponenten à la Active X für Linux zu programmieren. Wir haben
am falschen Punkt angesetzt, wir haben falsch gedacht und nichts getan.
Alles war von Anfang an schlecht konzeptioniert. Der Gedanke war, dass
einige Applikationen, wie tk, gtk wie ein System von Komponenten zusammenarbeiten
könnten. Wir haben es nie implementiert und ich vergaß die Idee.
Dann wollte ich verschiedene API´s von UNIX vereinigen. Aber das
sind Ideen, die kommen und man sagt "wir müssen das tun", aber man
tut es dann doch nie. Wir haben den Namen Gnome für unser Projekt
ausgesucht, weil er sich gut anhört. Als wir KDE sahen und sein Problem
erkannten, sagten wir uns "Nein, wir müssen eins schreiben". Zu Beginn
war es unbrauchbar, es gab zu viele Bugs, es brauchte zu viel Speicher,
es hatte fast kein Beharrungsvermögen. Das war Juni oder Juli. Eines
schönen Tages schrieben wir einen Vorschlag, das heißt ich schrieb
den Vorschlag und schickte ihn einem Haufen Leute: Stallman, den Leuten
von RedHat, der GTK-Gruppe und den Leuten, die an The Gimp arbeiteten.
Denn was wirklich interessant war, ist, dass ihm einen eigenen Toolkit
desigund ist daher
weitreichend konfigurierbar.
Die graphische Oberfläche eines X-Programms ist gewöhnlich
hierarchisch aufgebaut. Z.B. können innerhalb eines Menü-Widgets
mehrere Widgets für die einzelnen Menüeinträge enthalten
sein. Um Änderungen an einem bestimmten Widget zuordnen zu
können muß die Position (der Pfadname) der entsprechenden
Komponente innerhalb der Hierarchie angegeben werden. Als Beispiel
sehen Sie einen Teil meiner ~/.Xdefaults, der die Einstellungen meiner
Terminalfenster festlegt:.
XTerm*Font: -misc-fixed-bold-r-normal-15-140-75-75-c-90-iso8859-1
XTerm*Background: black
XTerm*Foreground: cyan
XTerm*scrollBar: true
XTerm*saveLines: 500
Xterm*VT100.geometry: 80x24
Wildcards sind in dieser Datei erlaubt, daher definiert
*Foreground: cyan
*Background: black
ein Standard Look & Feel für alle Programme, die ansonsten
keine definierten Xresources-Einstellungen haben. Wenn Sie wie ich mehr
Flexibilität (als durch die Wildcards erlaubt) wünschen, sich
aber keine Widgets-Hierarchien merken können, sehen Sie sich editres
an! editres ist ein GUI basiertes Konfigurationstool, das es Ihnen erlaubt,
bis ins Kleinste konfigurierte Einstellungen zu erstellen, ohne eine .Xdefault-Datei
schreiben zu müssen. Hier sehen Sie einen
Screenshot von editres in Aktion
!
Nun sollten Sie langsam erkannt haben, daß Xdefaults einige aufregende
Möglichkeiten bietet, sowohl ein allgemeines Look & Feel zu erstellen
als auch einzelne Programme sehr komplex und detailliert zu konfigurieren.
Sehen Sie sich an, was Xdefaults
aus diesem einfachen xcalc machen kann.
Auf der X-Tips-Seite von
Isolation befindet sich ein Step-by-Step-Tutorial, mit dem man alle
Fähigkeiten von editres ausschöpfen kann.
Nun, das wär´s für diesen Monat. Ich hoffe, Sie wissen
nun, daß X so standardmäßig oder so speziell aussehen
kann, wie Sie wollen, ohne daß Sie stundenlang Skripte für jeden
neuen User schreiben müssen. In der nächsten Ausgabe werden
wir (falls der Chefredakteur Miguel
A .Sepulveda erlaubt) uns anschauen, wie man mehrere X-Logons auf der
gleichen Workstation mit Hilfe des X-Display-Managers bekommt. Wenn Sie
Fragen oder Kommentare haben, schreiben
Sie mir. Bis nächstes Mal....
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